Ich sehe mich selbst so gern von meiner Schokoladenseite. Das ist übrigens die rechte Seite bei mir. Die linke ist irgendwie zu dick aber die Rechte geht super.

Vielleicht ein klein wenig von oben, das Kinn etwas hervorgestreckt, nur ein Bisschen und dann ein wenig Lächeln.

Toll wäre es, wenn vorher noch einer meiner lieben MakeUp Künstler dran war oder ich selbst Hand an die Pinsel legte und die Haare hochgesteckt sind und gut sitzen.

Am Besten sehe ich übrigens aus bei Kerzenlicht oder Feuerschein. So im Halbdunklen. Ich brauche mir nur wenig Gesanken über meine Haut zu machen, die ist von Natur aus recht glatt und rosig und ein wenig zu gut um fair zu sein. Meine Wangenknochen sind auch hoch genug und wenn ich mir nun noch was schönes anziehe, dann kann ich mich einigermaßen sehen lassen.

Okay ja gut, meine Hände verstecke ich manchmal lieber weil ich einen nervösen Tick habe bei dem ich mir die Nagelbetten kaputt-gnitzel und ich kaue viel so oft auf meiner Unterlippe was auch nicht so sonderlich toll ist.

Und dann schreibe ich diesen Blog hier und gerade ein Buch welches witzig, warmherzig und auf-die-Fresse wird. Unterhaltsam bestimmt und manchmal muss man vll sogar 2min nachdenken über das was man liest aber alles in allem ist die fette Frau ganz witzig.

Und dann sitzte ich in Schottland, schreibe am vierten Kapitel, lese nach was ich selber über mich schreibe und was ich schreiben muss, immerhin geht es um die Wahrheit, denke darüber nach über dieses wie und vor allem warum und über Dinge die schief liefen oder die ich versaut, versäumt oder vermasselt habe und fange an zu flennen wie ein Baby. Über verlorene Jahre und verlorene Kämpfe und ich ärgere mich und manchmal zwickt es auch einfach arg. Weil es nicht immer ganz so witzig ist und der Weg bis hierher manchmal ordentlich in die Magengrube schlägt und weil ich vielleicht auch ein wenig sensibel bin heute. Die fette Frau ist eben auch nur ein Mädchen manchmal. Wenn auch ein sehr großes… Breites… Flauschiges…

Und dann überlege ich ob ich darüber etwas schreiben soll. Etwas, dass über „Juchu, ein Buch“ und „Geil! Schottland!“ hinaus geht oder ob das blöd ist und ob ich dann nicht damit irgendwas an Power verliere und beschließe, dass Schwächen zeigen nicht schwach macht und dass mein Blog jede Reise mitmacht – auch die durchs Tal des „Ach Fuck man! Echt!“. Und dass ich nicht immer nur Rat und Rückgrat und Humor übrig habe sondern eben auch unfrisiert und ohne MakeUp in Schlabberklamotten Scheisse aussehend auf dem Schreibplätzchen heule und das nichts mystisches, geheimnisvolles, heldenhaftes oder vorzeigbares, ja nicht einmal was sonderlich erstrebenswertes oder unterhaltendes hat aber nun einmal Echt ist.

Und so…


…sieht Herzblut eben manchmal auch aus.

Jetzt liege ich gerade auf dem Bauch auf meinem Bett hier, (was ich, wie mir gerade auffällt, Jahrelang nicht konnte weil auf dem Bauch liegen zu schmerzhaft war durchs drückende Gewicht! – Ein Fortschritt! HAH!) schreibe diese Zeilen und finde, bei all der Liebe zur öffentlichen Selbstdarstellung und dem Mut zu mir und meiner Flausen im Kopf muss man – muss ich – vielleicht auch manchmal den Mut zur Hässlichkeit haben.

Ist vielleicht nicht immer witzig und nicht immer nur stark, diese Fettlöserin, und sie sieht manchmal aus wie Arsch aber ich gebe mir Mühe. Aufrecht stehen kann man auch wenn es aus den Augen regnet.

Und jetzt gehe ich zurück an meinen Laptop und beende Kapitel 4.

Und höre auf zu heulen dieses elendige Geschniefe ist ja schlimm und ich sehe kaum was und sehe nachher wieder ausgequollen aus und überhaupt…

Nicole

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